Wesen und Verhalten von Wallern

  • Hallo Leute,


    seinerzeit ausschlaggebend waren es anstehend lange Winterabende, was mich veranlasste, in meinem Heizungskeller die Walleraquaristik umzusetzen. Das ist schon lange her. I. M. ist das Becken unbesetzt, aber egal.


    Es war angenehmer und interessanter mit meinem Bootspartner vor dem Becken bei mehr oder weniger imitiertem Mondschein zu sitzen als vor dem Fernseher. Ich hatte meistens Ende Oktober Fische besetzt bis in den April, aber auch schon mal durchs ganze Jahr. Wenn wir Waller angeln glauben wir manchmal zu wissen was unter dem Wasser passiert, aber oft wissen wir es eben nicht, rätseln, spekulieren, erleben Überraschungen und lernen ein ganzes Anglerleben dazu.


    Ich besorgte mir ein 160x60x60 cm Becken, versah dies mit Tagesröhren und mit dimmbarer Nacht-LED, hatte die unterschiedlichsten Einrichtungen und Unterstände. Mit dem Filterauslass konnte ich die Standardströmung varieren, für beruhigte Zonen und Wasserkreisel sorgen, für hohe Fliessgeschwindigkeit setzte ich eine Tunze-Strömungspumpe ein. Ich hatte über viele Jahre Zuchtwaller, Weiherwaller, Flusswaller, gewöhnte die Fische von Zuchtfutter zu Naturfutter um und umgekehrt, betrieb Parallelfütterung oder auch nicht, testete ausgiebig Alternativköder, testete die Reaktion hungernder und satter Fische . . . und was weiss weiß ich noch alles. Ich hatte auch schon das Wasser eingetrübt (Futterfische chancenlos), testete (reizte) die Fische auf deren Wesen hin, Aggressivität, z.B. Minigummifisch vertikal, Dominanz / Revierverteidigung und in Folge dessen nehme ich vorweg:


    Es gibt unterschiedliche Wesen, kaum aggressive und richtig aggressive Fische und das ist keine Momenterscheinung.


    Es gibt Langsam- und Schnellfresser, letzteres sind die Vorwüchser, und das ist keine Momenterscheinung.


    Das Interessanteste ist die Erkenntnis, dass wir uns bei Beobachtungen uns in vielen erlebten Angelsituationen wiedergefunden haben, zahlreiche Vermutungen aus der Praxis wurden später vor dem Becken bestätigt.


    Das Thema habe ich mit Angelfreunden oft schon angesprochen. Dabei kam immer wieder mal die Frage auf: "Aquarium und freie Natur, kleine und grosse Fische – das kann man nicht vergleichen." Ich behaupte vollkommen überzeugt: Doch, absolut vergleichbar und das im Wesentlichen, von Ausnahmen abgesehen !


    Ich könnte jetzt einen Roman schreiben, aber es ist nicht zweckdienlich Euch jetzt mit Infos zu erschlagen. Vielmehr wünsche ich mir unter "nach und nach-Preisgabe" aller meiner Erfahrungen eine Diskussion von Unterthemen, alles was dazu paßt den Bezug herzustellen aus Aquarienbeobachtungen und erlebten Erfahrungen am Wasser.

    Wer hat noch ein Wallerbecken?

    Wie sind Eure Erfahrungen Wesen und Verhaltensweisen egal ob aus Aquarium, Teich, Weiher aber vor allem auch aus der praktischen Fischerei?


    Von meiner Seite: Bald geht’s los !


    Gruß, Christian

  • :hallo:Christian


    Hatte schon unzählige Aquarien und Teiche mit allen möglichen Fischen von der Elritze über den Aal bis zum Waller vom Ebro.


    Bei mir war es so dass alle Raubfische ein total anderes Verhalten hatten als in freier Natur. Insbesondere der Schwarzbarsch war ein höchst ängstliches Wesen.

    Die Waller(chen) haben noch am besten funktioniert. Aber was bedeutet "funktioniert"? Sicher nicht ein Verhalten wie im freien Wasser.

    Wie leben unsere Freunde schon? Das wissen wir nicht und daher ist ihr Verhalten und Fressaktivität immer noch ein Mysterium und lässt keinen Vergleich zu.

  • Jagdverhalten bei unterschiedlichen Bedingungen


    Es ist die absolute Ausnahme, dass ein (unerfahrener!) Fisch vor das Maul des Wallers in den Inhalierradius schwimmt und dieser leicht einsaugen kann. Die Aquarien-Inhaliervideos auf youtube dürften oft mit frisch eingebrachten Fischen gemacht sein die unbedarft vor das Maul schwimmen. Das halte ich für unrealistisch in der Natur.


    Das Jagdverhalten des Wallers ist völlig anders als bei Sichträubern.


    Der Waller kommt in die Nähe des Fisches, nimmt diesen frühzeitig wahr und beginnt je näher er ans Futter kommt, sich durch mehr oder weniger stark erforderliche Bartelbewegungen zu orientieren, wie flexible Antennen. In die Nähe gekommen gehen die Barteln gerade Richtung Ziel-Fisch. Saugt er zu früh an ohne Erfolg war es oft so dass hektisch 3-4 mal heftig nachgesaugt wird solange sich das Futter nur ansatzweise im Inhalierradius befindet. Ganz so zielgerichtet erfolgreich sieht das gar nicht aus. Manchmal klappt es, aber nicht immer.


    Die Erfahrung des Gejagten: Wenn ich ins Aquarium kleine Futterfische eingebracht habe aus Gewässern ohne Räuber, war es immer gleich. Die Fische kannten die Gefahr absolut nicht und liessen den Räuber ganz nahe kommen, oder schwammen in Unkenntnis direkt vor das Maul, meist zu nahe. War der Angriff des Räubers auch nur einmal erfolglos liessen diese gebrandmarkten Futterfische niemals mehr den Waller oder auch den Hecht (hatte ich auch schon) in die Nähe kommen solange sie etwas sehen konnten. Befanden sich ausschließlich Futterfische mit dieser Negativerfahrung im Becken, hatten es die Waller im Regelfall sehr schwer tags an Nahrung zu kommen. Die Kleinschwärme flüchteten lange bevor der Waller überhaupt eine Chance hätte. Das dürfte der Regelfall in der Natur sein, bei klarem Wasser. Die Sicht und die Negativerfahrung ist ganz wesentlich für das Überleben.


    Der Futterfisch war im völlig klaren Wasser bei Tageslicht augenorientiert nahezu immer im Vorteil. Der Jagdaufwand für den Waller ist bei diesen Bedingungen enorm. Die Waller im Becken haben bei zu hohem Aufwand schnell die Beutesuche auf die Nacht verlegt. Weil ich fast immer klares Wasser im Becken hatte fand die Beutesuche fast ausschließlich in der Nacht statt. Bei LED-Restlicht (Kleinfischen gelang meist immer noch die Flucht) hatten die Waller noch einen erheblich höheren Aufwand als bei völliger Dunkelheit.


    Weil in der Natur das Wasser oft teiltrüb ist, haben wir unter diesen Bedingungen auch immer wieder oft tags Erfolg. Dazu sind die Köder an den Montagen fixiert. Das muss man bedenken.


    Grundsätzlich glaube ich, dass der Waller im Wesentlichen seine Fressaktivitäten an seine Chancen anpasst, dabei sind die Wasserbedingungen ein Zufallsprodukt. Logischer Gegenpart Spanien: Pellets werden zu jeder Tag und Nachtzeit gefressen, Pellets können nicht flüchten.


    Aus dieser Erfahrung heraus ist das Thema Fressrausch bei braunem hohen Wasserstand für mich eine logische Erklärung. Dazu gehen die Fische aus der Strömung und konzentrieren sich in beruhigten Schilfbereichen, überschwemmten Büschen und überschwemmten Flachwasserbereichen, jedoch sehen Opfer offenbar absolut nichts. Für den Waller die beste Chance sich den Bauch vollzuschlagen. Tests mit stark eingetrübtem Aquariumwasser haben das bestätigt.


    Wie sind Eure Erfahrungen ?

  • Hi, hochinteressantes Thema.

    Leider kann ich nicht mir solch geile Beobachtungen im Aquarium dienen. Ich hatte zwar mal ein Aquarium, allerdings war da "nur" ein Katzenwels drin.

    Der hat mir allem kurzen Prozess gemacht, was da so drin rum geschwommen ist, außer mit einem Aal. Das war wohl sein Spezl.


    Was mich aber interessieren würde... hat sich denn irgendwie etwas abgezeichnet, von welcher Richtung der Waller versucht, seine Beute zu erwischen.


    Du meintest ja, dass sehen kleinfische klar im Vorteil waren.

    Man hört aber immer mal wieder, dass die Waller unsere Köder oft überrauben. D.h. gegen die Strömung an den Ködern vorbei schwimmen und den Köfi dann von vorne attackieren.


    Das würde ja dafür sprechen, dass es dem Waller egal ist, dass er sich genau uns Sichtfeld des Kleinfisches begibt. Oder ist diese These mit dem Überrauben doch evtl gar nicht wahr?

  • In Xerta am Ebro hab ich die Waller mitten in der Stromschnelle liegen sehn und mit Laube auf den herausragenden Hinterteil kurz angetippt. Bumm und dran war er.

    Die spüren einfach am ganzen Körper alles was sie wollen!

    Dass Fische oft an solche Stellen stehen und auf herabdriftende Beute warten ist an vielen Orten bekannt.


    Am Po hab ich die Waller mehrfach an der Stromschnelle beim Durchbruch ob der Ogliomündung gesucht.

    Nie war einer, so wie am Ebro, auf der Lauer.

  • Maxi, das mit dem Überrauben ist tatsächlich eine gute Frage. Ich gestehe ganz ehrlich, diese Erfahrung kann ich Dir nicht seriös beantworten. Was ich aber sicher glaube: Der Waller weiss was er tut, was letztendlich auch eine Erkenntnis ist.

    Interessant finde ich das Schwimmerangeln in der Drift im seichten Wasser so 80 - 150 cm. Total unterschiedlich die Bisse. Volles Rohr gerade aus, Schwimmer macht ne Blitzstrecke an der Oberfläche und taucht erst nach mehreren Metern ab. Wels kommt von unten schräg und wälzt sich an der Oberfläche , Schwanzwedler bei der Kehre.


    Eines kann ich aus meiner Erfahrung sicher sagen. So wie der Fisch in den für den Wels einschätzbaren Inhalieradius gerät, so wird der genommen *****. Das ist dem Zufall geschuldet. Das Auge spielt hier keine wirkliche Rolle. Die Fische sind mit dem Schwanz voraus ins Maul gesaust, mit dem Kopf, die steckten gekrümmt quer im Maul. Da war alles dabei ohne klare Linie. Was den Bartelradius erreicht wird massiv angesaugt. Gerade vor dem Maul hat er beste Chancen, ist der Beutefisch jedoch etwas links oder rechts versetzt vor dem Maul saugt der genauso an, aber die Erfolgsrate sinkt. Für mich klares Indiz dass hier die Augen keine Rolle spielen. Er bartelt und schnappt bei erstem Fehlversuch oft blitzschnell nach. Befand sich der Beutefisch im Winkel des Aquariums, also in Engstelle, war manchmal der 4. oder 5. Ansauger erfolgreich.

    Interessant waren die Raubzüge direkt unter der Wasseroberfläche. Beim ansaugen "zieht der Waller teils Luft" und der Inhaliersog nimmt ab. Das sind die plumpen "Schmatztöne". Teils reicht der Sog aus, teils nicht.


    ***** Ergänzung: Von daher ist die Anordnung der Haken an grossen Fischen für mich Spekulation und die Fehlbissrate bei grossen Fischen steigt, zumindest meine Erfahrung.

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  • Wesen / natürliche Veranlagung

    - Verhalten bei der Nahrungsaufnahme in Bezug zum Wachstum


    Von der Karpfenzucht las ich immer wieder, dass auch die genetische Veranlagung eine grosse Rolle für das Wachstum spielen soll. Das kann und will ich nicht beurteilen.

    Möglicherweise hat jemand Wissen ob dies bei Welsen zutrifft. Ich selbst kann hierzu nichts sagen.


    Ich selbst konnte nie die Erfahrung machen, dass deutsche Waller kleiner bleiben als südeuropäische Waller, ganz einfach deshalb, bei hohem Futterangebot und höherer Wassertemperatur ist die Wachstumsrate einfach allgemein gigantisch. Ich hatte ja deutsche Waller welche immerhin über viele Generationen vererbte Gene haben.

    Wie ich schon im Eingangspost schrieb gibt es aggressive und weniger aggressive Fische. Darauf muss ich noch wiederholt zurückkommen.


    Es sind die aggressiven Fische die Vorwüchser. Deren Nahrungsaufnahme ist brachial und unterscheidet sich massgeblich. Über die Jahre war es bei versch. Fischen immer gleich.

    Schaltete ich das Licht total ab waren es genau die Vorwüchser die sich sofort auf Raubzug begaben. Im Regelfall war nach 15-20 Minuten dar Ranzen rappelvoll. Die ruhigeren Waller liessen sich meist die ganze Nacht Zeit. Sie schwammen zunächst einfach nur so herum. Ich stand unzählige Male nachts auf zu allen erdenklichen Zeiten um das zu kontrollieren. Oft hatten diese Langsamfresser ziemlich spät gefressen, manchmal erst gegen Ende der Nacht aber auch mal das fressen ganz verpasst. Gut, manchmal waren auch die schneller, aber das war eher die Ausnahme. Das Verhalten langsam oder schnell zeigten die Fische über die gesamte Zeit.


    Ich hatte mal einen Waller als absolute Ausnahme, der war fast zu blöd zum fressen. Der nahm die Tauwürmer und diese wurden 5-10 Minuten festgehalten bevor diese geschluckt wurden. Das machte der immer wieder.


    Die Schnellfresser hatten ganz klar über die Distanz den durchschnittlich besser gefüllten Mageninhalt und es sind immer genau diese Fische den anderen davongewachsen.


    Im Heizraum wo das Aquarium stand hatte ich im Regelfall 20-22 Grad Wassertemperatur. Aber meist eher die 22 Grad.

    Wenn man so will erlebten die Fische bei diesen Bedingungen in 12 Monaten angenommen 2 Sommerperioden am Stück, kommt das so hin ??

    Fische bei Besatzgrösse ca. 10 cm wuchsen wie folgt:

    Die langsamsten Fresser wuchsen in 12 Monaten auf 40-45 cm.

    Die schnellsten Fresser wuchsen in 12 Monaten auf 60-65 cm.

    Ich hatte einen Fisch, der wuchs auf sagenhafte 67 cm. Bei der Entnahme aus dem Becken hat der im Kescher geschlagen wie wild und ich blieb nicht trocken. :grns2: Der zweite Fisch hatte so gut 50 cm. Einen weiteren "langsameren" dritten musste ich bereits nach ca. 8-9 Monaten entnehmen weil die Ausscheidungen in Menge für das Becken kritisch wurden. Ich muss dazu sagen, dass die Fische mitunter auch mal kein Futter bekamen weil ich die Reaktion hungernder Fische ebenso testete. Bei Dauerfutter wären die Fische noch etwas grösser gewesen.


    Wir alle kennen es, glauben gute Bedingungen zu haben aber es will einfach nichts gehen. Weiss der Henker warum.

    Phänomen rigorose Fresspause, inaktive Fische:

    Es kamen gelegentlich Fresspausen, da wird trotz dieser Wassertemperatur so 4 Tage bis längstens 7 Tage nichts gefressen, absolut gar nichts. Die Fische schwammen nachts den Beckenrand ab ohne zu fressen. Es waren meistens Vollmondphasen, aber nicht immer. Die Vollmonddiskussion ist ja ohnehin speziell in der Fischerei. Da gehen die Meinungen stark auseinander.

    Im Gegenzug gibt es aber auch Ausnahmephasen wo auch die langsameren Fische mal nicht so lange fackeln. Ich nehme einfach an, das sind die Zeiten wo es mal ne Woche für uns draussen auch richtig gut läuft. Und genau das erlebt man ja nicht so häufig.



    So Mädels und Männers, zahlreiches Feedback erbeten. :servus:




    Einmal editiert, zuletzt von Bums () aus folgendem Grund: Ergänzung Mädels und Ausnahmephasen

  • Interessant finde ich das Schwimmerangeln in der Drift im seichten Wasser so 80 - 150 cm. Total unterschiedlich die Bisse. Volles Rohr gerade aus, Schwimmer macht ne Blitzstrecke an der Oberfläche und taucht erst nach mehreren Metern ab. Wels kommt von unten schräg und wälzt sich an der Oberfläche , Schwanzwedler bei der Kehre.

    Hallo Christian,


    da habe ich auch schon viele unterschiedliche Bisse erlebt.


    Von der Schwimmer geht einfach unter und bleibt dann stehen, bis zur Blitzstrecke an der Oberfläche war alles dabei und das oft am gleichen Tag bei ähnlicher Driftstrecke. Irgendwie lassen sich unsere Freunde nicht so einfach in die Karten schauen.

  • Das grosse Mysterium Fisch!

    Immer wieder bei allen Fischarten kommt es zu extrem variablem Verhalten.

    Herauszufinden was warum ist viel wichtiger als das noch so gute Angeltackle oder Boot.


    Auch Forellen (Wildfische nicht kaputte Zuchtis) zeigen total unterschiedliches Verhalten.

    Manchmal bleiben sie analog zum Waller vor dem Köder stehen, nehmen ihn vielleicht ein klein wenig und lassen wieder los.

    Die ganze Palette kann manchmal echt Frust verbreiten.


    Was die Waller anbetrifft ist schon enorm wie unterschiedlich die ticken können.

    Wenn man gezielt eine Sache angeht und bisl rumstudiert können gewisse Umstände erklärt werden.


    So habe ich mittlerweile beispielsweise eine Vermutung warum die Waller viel weniger als in vergangenen Jahren, an der Steinschüttung herunterfallende Köder rauben.

    Ganz einfach: die spezifische Nahrung bleibt aus.

    Entweder ist das Landgetier durch Pestizide oder Trockenphasen stark dezimiert oder Futterfisch ist nicht mehr darauf angewiesen dort Schutz oder Sauerstoff zu suchen.

  • Hi,


    das mit der "Agressivität" der Fische ist auch eine spannende Sache, die man meiner Meinung nach in vielen Belangen sieht. Ich persönlich glaubte nie wirklich dran, dass es in den Genen der Fische liegt, sondern vllt von anderen Faktoren beeinflusst ist. Klingt auf jeden Fall sehr interesant.


    So hatte ich z.B. mal einen Fisch, der bereits beim Biss völlig eskaliert ist. Beim Biss war uns klar, das muss ein richtiger sein. Die Rute, eine nach oben gespannte Rute, vernigte sich kurz aber extrem heftig und dann kam uns die Rute (trotz) sicherung aus dem Rutenhalter entgegengeflogen.
    Nachdem der Anhieb sitze, ging der Tanz los. Meist ist es ja so, dass die Fisch, welche gegen die Strömung gehakt werden, erstmal mit schwimmen bis vors Boot. Nicht bei dem. Der macht von Sekunde 1 des Drill druck. Was dann allerdings zu Tage kam, war ein halbstarker Fisch mit ca. 140 cm. Im "Infight" vor dem Boot eskalierte er vollends und auch die Landung war gar nicht so einfach. Beim Foto machen biss der Wels wild um sich und schlug heftig mit dem Schwanz.
    Soetwas habe ich seither in der Form nicht mehr erlebt.


    Könnte also durchaus sein, dass der Bursche unter Wasser richtig aufräumt. Wird wohl in diesem speziellen fall immer ein Mysterium bleiben, ob es dem Fisch in den Genen lag agressiv zu sein, oder ob nur seine Schwiegermutter zu besuch war. :grns2::engel:

  • Wesen / natürliche Veranlagung

    - Aggressivität und Dominanz. Den besten Unterstand hat der Chef


    Vor ca. 35 Jahren habe ich mir die ersten Babywaller besorgt. Es waren 5 Stück mit 10 cm aus der Zucht. Diese setzte ich damals in ein kleines Becken von so 100 l. Es war damals einfach so die erste Neugier um diese einige Wochen zu beobachten. Ich hatte einen grösseren Unterstand geschaffen und einige kleinere. Der grösste und attraktivste Unterstand war heftig umkämpft. Ich hatte damals null Ahnung was da passieren mag. Die Fische hatten zunächst vorwiegend den Drang den Topunterstand zu beziehen und der Kampf ging sofort los. Drei friedlichere Fische haben sich bereits nach wenigen Stunden aus der Keilerei jeder gegen jeden verabschiedet: "Der Klügere gibt nach". Zwei Fische bekriegten sich unentwegt. Dabei stellte ich fest, dass es IMMER der gleiche der Beiden war, der das Kampffeld verliess, jedoch unzählige Male zurückkehrte. Am Folgetag hatte dieser Fisch ganz erheblich mehrere Bisspuren als der vermeintliche Cheffe, vor allem am Schwanz. Dass sich das Procedere dramatisch fortsetzen sollte konnte ich damals nicht wissen. Der immer wieder verdrängte Fisch hatte wohl annähernd die gleiche Aggressivität und Kampfeslust wie der andere. Es verging ein weiterer Tag und am nächsten Morgen musste ich mit Erschrecken feststellen, dass dem Unterlegenen am Schwanz rundum laufend in Länge 1 cm sichtbares Fleisch herausragte. Der Fisch wollte trotzdem nicht aufgeben. Ich habe diesen Fisch dann komplett sondiert. Die friedlicheren Fische hatten kein Problem damit, sich auch mal zu zweit oder zu dritt nebeneinander in einem engen Rohr abzulegen und zu gesellen. Das war mit dem stärksten und willensstärksten Fisch völlig unmöglich.

    Viel später im grösseren Becken konnte ich exakt gleiches immer wieder feststellen. Der aggressivste Fisch hat den besten Platz, zu mindestens 90% ist das auch immer der Grösste und Stärkste. Nur ein einziges Mal hatte ich es in vielen Jahren, wo ein ca. 27-28 cm Fisch einen ca. 30 cm Fisch "verhaute", weil einfach viel wilder und entschlossener. Ich achtete auch darauf nicht noch einmal zwei Verrückte parallel im Becken zu haben. Zur Not musste einer weichen und wurde entnommen. Im Regelfall war es jedoch wirklich immer der Aggressivste, gleichzeitig Fressgierigste und Grösste. Den unmittelbaren Zusammenhang habe ich in einem Vorpost beschrieben.


    Wenn ich mir dieses Verhalten so vor Augen hielt deckte sich die Unterstand-Beangelei mit diesen Erfahrungen. Auf einer Strecke mit unzähligen Versteckmöglichkeiten kann man sich diese Erfahrung nicht wirklich zu Nutzen machen. Jedoch an Gewässerstrecken mit ganz vereinzelten grossen Unterständen meine ich muss hier eine Rute hin.


    Wir hatten eine durchwachsene Po-Woche, alle 2 Tage Platz gewechselt. Letzter Tag, Freitag: An einem Nebenarm des Po bei geringster Strömung lag ein grosser Baum im Wasser. Ich liess mich mit dem Boot hintreiben, Peter war mit im Boot, und mein damaliges Schwarz-Weiss-Echo zeigte uns 2 m vor dem Baum ein Super-Echo. Es war sofort klar, eine Rute muss hier hin und wir schenkten diesen Platz Günther. Alles oder nichts. Ich nahm den grössten verfügbaren Köderfisch, ein Mordsteil, und band Günthers Rute an den Baum, den Fisch nur ganz knapp unter der Wasserlinie. Der machte gewaltigen Radau. So 20- 30 min. später knallte die gespannte Rute zurück. 228 cm. :friends::occasion5:

    Ein Jahr später, der Baum war nicht mehr vorhanden. Statt dessen so 300 m weiter waren es am steilen Ufer angeschwemmte Äste vermischt mit Schilf und Zweigen. Ein ca. 20 qm Dach hatte sich am Ufer über der Wasserlinie gebildet. Weit und breit kein Unterstand. Ich band spät nachmittags direkt dort für Peter an. Nach Einbruch der Dunkelheit kam der Biss. Ich war in unmittelbarer Nähe der Rute und nahm sofort auf. Da ging erstmal nichts, hatte aber den Eindruck der Fisch ist zwar frei, aber schwer. So kam es auch. Ich wollte Peters Rute sofort an ihn übergeben, aber er wollte sie mir lassen. . . . wir waren uns uneins, Diskussion . . . und ich bestand darauf . . . Peter, für Dich angebunden, Dein Fisch. So drillte ich ca. 1,5 - 2 Minuten . . . und dann übernahm Peter. 234 cm, aber ein anderer Fisch als der 228 er. :friends: :occasion5:

    Das waren damals die mit Abstand zwei besten Fische aus einem Bereich wo Unterstände Mangelware waren. Wo der andere 228er aus dem Vorjahr verblieb kann man am Po wohl nicht sagen. Faktisch war in den beiden entspr. Wochen der jew. Unterstandsfisch immer der mit Abstand beste Fisch der Tour.


    Frage an Euch: Wie sind Eure Erfahrungen an den Top-Unterständen ? Zahlreiches Feedback erbeten. :läfz:


    Mit dem nächsten Post geht es dann weiter mit Aggressionsbissen. Schönes WE.


    Unterstands-Cheffe Buckelwels 228 cm


    Buckelwels 228.jpg


    Unterstands-Cheffe 234 cm

    Waller234.jpg

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  • Wesen / natürliche Veranlagung

    - Reflexbisse / Aggressionsbisse


    Im Aquarium testete ich immer wieder die Fische bei vertikaler Reizung. Ich nahm eine dünne Schnur, so 0,14 mm. Daran befanden sich meistens Minigummifische so 5 cm, so klein wie möglich. Die Waller waren mindestens so 30 cm aufwärts, ansonsten wären meine Gummifische zu gross gewesen. Ich hatte an der Schnur auch schon Würmer oder kleine Garnelen, hakenfrei versteht sich.

    Wie bei der vertikalen Angelei habe ich neben den Fischen, oder auch vor dem Kopf, auf den Fischen selbst, oder auch an der Behausung die Fische geärgert. Ein Futter wird auch an der Behausung nur genommen wenn der Fisch fressen will. Der Regelfall ist ganz klar. Blitzschnelles zupacken und sofortiges spucken, eher selten wird gehalten. Im Regelfall sind das schlicht Reflexbisse oder Bisse um zu vergraulen, verjagen. Das hat mit fressen wollen nichts zu tun.

    Die friedlicheren Fische schnappten vertikal ein- bis zweimal zu und dann Ende Gelände, kein Interesse mehr, da konnte ich die ärgern wie ich wollte. Bringt nix mehr. Stunden später, oder am nächsten Tag geht´s wieder. Die aggressiven Fisch beissen mehrfach zu, gut und gerne auch 8-10x oder im Extremfall noch öfter, teils ist das richtig heftiges attackieren. Aggressive Waller so ab 30-35 cm Waller hatten auch keine Scheu meine Finger zu attackieren als ich in den Unterstand griff. Man erschrickt richtig bei dem Blitzschnapper. :schadenfroh:

    Mehr gibt es dazu auch nicht zu sagen. Über Wasser können wir mit dem Wissen bei vertikaler Angelei wohl nicht wirklich profitieren, wir wissen nicht welcher Charakter unter uns weilt. Deshalb ist es wichtig beim fischen hellwach zu sein, die weniger aggressiven Fische werden die Masse sein. Man darf eigentlich nur von max. 1-2 Schnappern per Fisch ausgehen und der Anhieb sollte auch sitzen. Selbst bei einem aggressivem Fisch sind wir nach dem ersten oder zweiten Schnapper bereits mit dem Boot weitergetrieben.


    Entspr. konnte ich hier wahrscheinlich keine neuen Erkenntnisse für die Praxis liefern. Weil ich kein Vertikalspezialist bin, weil zu selten praktiziert, würden mich Eure Meinungen hierzu interessieren. Besten Dank dafür. :occasion5:

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  • Hi Chris,


    leider bin ich auch zu wenig Vertikal-Fischer, als, dass ich dazu wirklich was beitragen könnte. Ich möchte dir dennoch für deinen unermüdlchen Einsatz Danken.


    Das sind echt immer coole Beiräge und ich denke, jeder kann zumindets ein bisschen was daraus mitnehmen und in die praxis einfliesen lassen!!!! :daumenhoch::daumenhoch::daumenhoch: dankee

  • Wesen / natürliche Veranlagung

    - Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht


    Hallo Leute,


    wie bereits eingehend geschrieben hatte ich viele verschiedene Jungwaller verschiedenster natürlicher Herkunft, aber auch Zuchtwaller, und diese über viele Jahre beobachtet.

    Auch hier gilt für meine Erkenntnisse: Ausnahmen bestätigen die Regel.


    Pelletwaller aus der Zucht: Als diese Waller die ersten Futterfische ins Becken bekamen, das heißt zum ersten Mal mit natürlichen Futterfischen in Kontakt kamen, wurden die Futterfische im Regelfall so am dritten Tag genommen, kann aber auch 5 Tage dauern. Diese Futterfische, meistens waren diese kleine Blaubandbärblinge, aber auch Minirotaugen oder Minilauben in perfekt fressbarer Grösse, die Futterfische waren Räuber unerfahren und liessen deshalb die Welse nahe herankommen. Die Futterfische wurden anfangs neugierig ausgelotet, die Barteln wurden wie Sensoren an die Futterfische herangeführt und was passierte? Nichts. Jedoch wenn die Erfahrung "fressbar" gemacht wurde stellte sich sofort ein natürliches Fressverhalten ein wie in einem der Vorposts beschrieben. Wenn ich diese Waller vornehmlich nur noch mit Naturfutter fütterte, über Wochen und Monate, das Naturfutter abstellte und auf Pellets umstellte passierte: Gar nichts. Auch hier wieder war eine Umgewöhnungsphase erforderlich.


    Naturwaller aus Weihern und Flüssen: Die Welse taten sich wirklich schwer die Pellets anzunehmen. Beschnuppern, bebarteln von Mini-Pellets ist hier der Regelfall. Die Umstellungsphase dauerte oft eine Woche und teils länger bis diese so richtig akzeptiert wurden. War die Pelletsgewöhnung vollendet und stellte ich erst nach längerer Zeit wieder auf Fische um passierte immer das Gleiche. Eingewöhnungszeit wie eingehend beschrieben.


    Pelletfischen: In der Natur ist die Pelletakzeptanz, von Ausnahmen abgesehen, noch schwieriger zu erreichen als im Becken, und dies aus einem einfachen Grund. Im Becken fehlte die Futterkonkurrenz wie Karpfen, Schleien, Weissfischen usw. Die Pellets blieben liegen. In der Natur dauert die Pelletgewöhnung deshalb im Regelfall immer länger und das will ich an einem Beispiel erläutern. Am kleinen Heimatflüsschen Altmühl startete ich vor vielen Jahren eine Futterkampagne über einen Monat von Mitte April bis Mitte Mai. Jeden zweiten Tag Pellets. Ich machte anschließend im Abstand von einigen Tagen 3x eine 24 Std. Sitzung. Ich hatte an diesen Tagen Dauergebimmel von halbstarken Karpfen. Die waren wohl so schnell, daß die Waller keine Chance hatten ausreichend auszuloten. Wären die Waller pelletgewohnt, hätten sie wahrscheinlich die Karpfen vom Fressplatz verjagt.

    Das Pelletfischen funktioniert im Regelfall dann halt auch nur dort, wo permanent die Saison gefüttert wird, und auch in einer Menge, dass die Gewöhnungssituation und Akzeptanz auch

    für die Waller vollzogen werden kann.


    Für mich sind die Erfahrungen Aquarium und praktische Angelerfahrungen deckungsgleich.

  • :servus: Christian,


    vor einigen Jahren war ich mehrmals, mit meinen Kindern, in der Pellet-Hochburg beim Wallerfischen.


    Dabei konnte ich eher ein Abwechseln am Futterplatz feststellen. Größere Karpfen und Waller wechselten sich in ganzen Trupps am Futterplatz ab und das mehrmals am Tag. Ob kleinere Karpfen auch am Platz waren kann ich nur vermuten. Unsere Pellet Ringe waren dafür einfach zu groß - d.h. wir konnten nie einen kleinen Karpfen haken.


    Nebenbei hatten wir auch Grundmontagen mit Köderfischen am Futterplatz. Diese blieben aber unberührt. D.h. die Waller im Zielgebiet hatten sich, zu der Zeit, auf Pellets und Boilies eingeschossen.